19.07.2019

Werfen Sie Ihr Geld aus dem Fenster – stellen Sie schwache Führungskräfte ein!

Eine Führungskraft erfüllt bereits eine wichtige Qualifikation – sie führt. Diese Menschen meine ich in diesem Beitrag nicht. Es geht um «Vorgesetzte» oder «Manager», die sich auf der untersten Ebene der Führungspyramide befinden: Diese Personen besetzen aufgrund Ihrer Position, ihrer hierarchischen Stellung, ihres Ranges eine höhere Position.

Auf dieser untersten Führungsstufe folgen die Mitarbeiter dem Vorgesetzten, weil sie müssen – nicht, weil sie wollen. Das Engagement der Mitarbeiter entspricht dem Verhältnis «Zeit gegen Bezahlung». Kein Mitarbeiter gibt seinem Vorgesetzten seine Energie, keiner setzt sich übermässig für seinen Vorgesetzten ein, jeder macht nur das nötigste mit dem Ziel, seinen Job zu behalten.

Der Vorgesetzte auf der untersten Führungsstufe kümmert sich kaum um seine Mitarbeiter. Er interessiert sich nicht für seine Mitarbeiter und er weiss nichts über sie. Dieser Vorgesetzte ist auf sich selber fokussiert – ist darauf bedacht, immer selber gut dazustehen. Fehler werden immer den Mitarbeitern angelastet und wenn es eng wird, werden diese geopfert.

Das Ziel muss deshalb sein, dass dieser schwache Vorgesetzte die nächst höhere Führungsstufe erreicht: Die Mitarbeiter folgen ihm freiwillig – sie wollen von ihm geführt werden!

Aber wie bitte soll das möglich sein? Die zweite Führungsstufe setzt voraus, dass der Vorgesetzte die Menschen wertschätzt – er sich für seine Mitarbeiter interessiert, sich für sie einsetzt, ihnen Verständnis entgegenbringt und sich im Ernstfall für seine Mitarbeiter opfert. Sollen diese Charaktereigenschaften an einem Führungsseminar vermittelt und verinnerlicht werden?

Ich bin überzeugt, es steht und fällt mit der Rekrutierung Ihres Personals – vom Arbeiter bis in die oberen Führungsetagen. Sie müssen herauszufinden, für welche Werte diese Menschen einstehen, damit sie in Ihr Unternehmen passen.

Es ist übrigens einfach zu erkennen, in welcher Abteilung oder Firma sich der/die Vorgesetzte/n auf der untersten Führungsstufe befinden: 20 Minuten vor Arbeitsschluss räumen die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz auf … verabschiedet sich von ihren Kolleginnen und Kollegen … gehen zur Toilette … ziehen sich um … und verlassen pünktlich das Gebäude. 5 Minuten später ist der Parkplatz leer.

In diesem Führungsvakuum arbeiten alle betroffenen Mitarbeiter auf Sparflamme. «Innovation», «hoher Einsatz» und «gegenseitige Hilfestellung» gibt es kaum. Stellen Sie sich einen Vertriebsleiter vor, der auf untersten Führungsstufe agiert und seine Mitarbeiter vor sich her treibt. Wie viele Millionen Umsatz entgehen dem Unternehmen, weil die Aussendienstmitarbeiter nicht «die letzte Meile gehen»? Mit keinem Bonus- oder Provisionsprogramm lässt sich die Demotivation der Mitarbeiter aufhalten.

Menschen verlassen nicht die Firma, Menschen verlassen ihren Vorgesetzten.

 

Rolf Grossenbacher