15.08.2019

HirnPower vs. PowerPoint

Die Leistungsfähigkeit unseres Gedächtnisses ist ein absoluter Tiefschlag für alle PowerPoint Präsentationen.

Wenn Sie Text auf der Leinwand zeigen (ganze Sätze) und Sie darauf beharren, gleichzeitig zu reden (lesen den Text vor oder reden frei zum Text auf der Leinwand), werden sich die Teilnehmer an fast nichts erinnern.

Seit über 20 Jahren machen wir immer diesen selben Fehler und es ist das absolut grösste Problem mit PowerPoint. Die Hirnforschung redet vom sogenannten Redundanzeffekt. Um dies zu verstehen müssen wir erkennen, wie unser Hirn und somit unser Gedächtnis funktionieren.

Bei allem was in unserem Hirn passiert, geht es um die möglichst optimale Nutzung der vom Körper zur Verfügung gestellten Energiereserven. Diese Energiezufuhr ist begrenzt. Dem Hirn ergeht es also wie unseren Muskeln. Wir können ja auch nicht einen 10000 m Lauf im Tempo eines 100 m Sprints durchhalten.

Das Gehirn ist deshalb gezwungen, seine Arbeitsweise so zu organisieren, dass nicht mehr Energie verbraucht wird, als über die Blutbahn angeliefert wird. Unser Gehirn hat aber insofern ein ganz besonderes Problem, weil es bereits im Ruhestand (nichts tun, nichts denken) bereits 20 % der bereitgestellten Energie verbraucht. Das ist viel!

Dieser Energieverbrauch steigt dramatisch an, wenn wir zu denken anfangen, ein Problem lösen müssen, Konflikte haben oder etwas Neues lernen sollen. All dies zählt nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen eines menschlichen Hirns. Es führt zunächst zu unangenehmen Gefühlen und schliesslich auf körperlicher Ebene zu einem Zustand von Erschöpfung. Das ist unangenehm und deshalb vermeiden wir dies lieber. Und wir haben ja ziemlich gut gelernt, wie das geht. Durch Vermeidungsstrategien (verdrängen, ablenken, abschalten, weghören, wegschauen, verleugnen etc.).

Und genau dies passiert uns, wenn wir an einer PowerPoint Präsentationen teilnehmen. Irgendwann wird es uns (bzw. unserem Hirn) zu anstrengend und es reduziert seine Leistung. Wir «schalten ab». Dies ist der Zeitpunkt, wenn die Teilnehmer ihre Smartphones einschalten.

Wie halten Sie den Energieverbrauch der Teilnehmer gering?

Erhält ein Schulkind eine Aufgabe gestellt, die es nicht abstrahieren und folglich nicht lösen kann (beispielsweise die mathematische Operation 93 – 27 = ?), gerät es in Stress und findet keinen Lösungsweg. Folglich muss die Lehrperson die Komplexität der Aufgabe auf ein Niveau reduzieren, welches vom Kind verstanden wird und den Energieverbrauch des Hirnes nicht überstrapaziert.

Es ist also naheliegend, dass Sie für Ihre PowerPoint Präsentation in der gleichen Art und Weise vorgehen, wie eine gute Lehrperson: Den Energieverbrauch der Teilnehmer tief halten und deren Konzentration hoch. Dies erreichen Sie mit der Einhaltung von 9 Regeln. Die 3 wichtigsten lauten:
1. Nur eine Botschaft je Folie
2. Maximal 6 Objekte je Folie
3. Keine Sätze

 

 

 

Gerald Hüther (Neurobiologe) / Rolf Grossenbacher